Trotz Fleiß kein Preis? – Ode an das NichtsTUN…

Faul auf der Matraze liegen, auf dem Fußboden abhängen, einfach mal nur rum sitzen und nichts tun. Vielleicht noch die Wand anschauen. Oder die Decke. Oder aus dem Fenster. Zeit zum Dösen, Zeit zum Grübeln, zum Träumen…

Ich liege gerne in der Gegend rum und tue … nichts!

Ralf meint von sich, er sei faul und fragt: „Ist das ein Problem, wenn man auf der bequemen Seite des Lebens steht?“ Viele schämen sich für die eigene Bequemlichkeit. Denn um in unserer Gesellschaft etwas zu erreichen, etwas zu gelten, bekommt man gesagt, dass man arbeiten muss und fleißig sein. Nur dann erhielte man auch Anerkennung und Respekt.

Doch nicht immer geht die Rechnung auf. Viele Leute schuften und placken sich ab, aber Anerkennung und Reichtum sind deswegen noch lange nicht in Sicht…
Dazu fiel Waltraud Spenle, einer Leserin von Ralfs Artikel eine traurige Geschichte ein. Sie geht ungefähr so:
Ein neugeborener Käfer, noch orientierungslos, krabbelt hinter all den anderen her, ohne zu wissen, wo es eigentlich hingeht. Die die er fragt wissen es auch nicht, nur soviel, daß eben alle dahin krabbeln und daß man es eben genauso machen soll. Also krabbeln er und all die anderen weiter und weiter, es geht mühselig nach oben und als er auch oben steht, stellt er fest, daß der nächste Schritt in den Abgrund geht. Alle Käfer fallen in ein tiefes Loch und gehen ein. Und dafür haben sie sich ihr Leben lang angestrengt.


Überhaupt gab es viele spannende Kommentare. Gaby Gembolys fragte sich schon sehr lange, „wohin dieses HÖHER – WEITER – SCHNELLER führen soll? Da fällt mir sofort das Pareto Prinzip ein: 80 % dessen, was Sie in Ihrer Arbeit erreichen, gehen auf 20 % der aufgewandten Zeit zurück. Die Schwierigkeit oder die Kunst besteht nur darin zu erkennen, welche 20 % die richtigen sind, um den größten Erfolg, das beste Ergebnis, das größte Lebensglück zu haben.“

Aber Ralf hatte auch einen ganz besonderen Clou in seiner Betrachtung der angeblichen Faulheit:  „Ein fauler Mensch ist bestrebt, sich möglichst wenig anzustrengen und möglichst wenig Kraft und Energie zu verbrauchen. Im Grunde ist er damit wie ein modernes Auto, das nur noch 4 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Aber hier sagt man dann nicht, es wäre ein „faules Auto“, sondern man nennt es wirtschaftlich, umweltgerecht oder ökonomisch.“ Der Leser Christian von Kessel fasst die Weisheit vom „Faulen Sack“ dann passend zusammen: „Weniger schießen, aber besser zielen!“

Es geht also nicht darum, „andere für sich arbeiten zu lassen“, sondern um überlegteres Handeln. Weniger ist mal wieder mehr und Qualität braucht Langsamkeit. Ich lasse die Dinge erst einmal auf mich wirken (sitze nur „faul“ herum und gehe in mich), anstelle blind loszupreschen.

Es ist wahrscheinlich wie immer eine Frage der Balance zwischen Aktivität und Rückzug, Anspannung und Entspannung, die Frage des richtigen Maßes. Caroline J. zieht passend den Vergeich zu Mutter Natur:
„Nach einem fullminanten Frühling folgt der Sommer mit einer langsam ansteigenden Reifephase. Keine Birne ploppt einfach in einem einzigen Kraftakt auf. Nach dem zum Überleben sinnvollen, arbeitsreichen Herbst zur Ernte und Voratsschaffung erholt sich Flora und Fauna im Winter, um dann wieder mit Kraft in einen neuen Frühling zu starten. Über die eigene Kraft hinaus agieren um des agierens willen, würde kein Tier so leben. Wir vernunftbegabten Säuger sind hier eher unvernünftig. Erst wenn mein Gehirn die Zeit bekommt einem Gedanken nachzuhängen kann sich daraus etwas wundervolles entwickeln. Ohne diese Faulheit entsteht keine Kreativität oder Innovation, kein wohliges Schnurren meiner Seele. Diese Zeit uns zu geben, steht leider sehr selten in unseren Kalender und endet im ungünstigsten Fall in einer totalen geistigen und körperlichen Erschöpfung.“

Also liebe Mitmenschen: „Es braucht zu allem ein Entschließen, selbst zum Genießen.“ (Eduard von Bauernfeld)

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